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Fußball-WM in Katar: Dunkle Schatten statt fröhlichem Fußballfest

Fußball-WM in Katar: Dunkle Schatten statt fröhlichem Fußballfest

Gastkommentar von Europaabgeordneten Hannes Heide.

Kaum ein sportliches Großereignis war je so von Kritik überschattet, wie die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Angefangen von Schlagzeilen um tote Arbeiter auf den Stadionbaustellen, offener Homophobie und groben Menschenrechtsverletzungen: Die Liste an massiven Verfehlungen des katarischen Regimes ist lang. Die Vorgänge um die Vergabe der WM an die FIFA im Jahr 2010 gehören lückenlos aufgeklärt, gegen mehrere Offizielle des Weltverbandes laufen aktuell Verfahren wegen Betrugs- und Korruptionsdelikten. Sogar der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter, damals federführend am Vergabeprozess beteiligt, gesteht mittlerweile ein, es sei ein Fehler gewesen die Austragung der Weltmeisterschaft an Katar zu vergeben. Die Missstände sind für viele Fans ein Grund bei diesem Weltcup nicht mitzujubeln.

Die FIFA hat das größte Sportereignis des Jahres in die Hände eines totalitären Systems gelegt, dass die völkerverbindende Kraft des Fußballs missbraucht, um finanzielle Interessen durchzusetzen und das Image eines repressiven Staates loszuwerden. Der Wüstenstaat möchte nicht nur seinen Ruf aufpolieren, sondern seine Wirtschaft diversifizieren. Noch verfügt Katar über die drittgrößten Erdgasreserven der Welt und der Westen ist mehr denn je von Öl und Gasimporten aus der Region abhängig. Doch wenn diese Quellen irgendwann versiegen, oder die westlichen Nationen sich durch alternative Energien aus der Abhängigkeit befreien können, braucht Katar Verbündete, denn die Beziehungen zu den mächtigen Nachbarländern sind zerrüttet. Katar hat für die Weltmeisterschaft nicht nur Milliarden in die Infrastruktur der Sportstätten investiert, sondern es sind nachweislich auch Bestechungsgelder geflossen.

Der Profisport, insbesondere Fußball, ist mittlerweile tief in geopolitische Entwicklungen involviert. Die FIFA trägt dabei eine große Verantwortung und sollte ihre mächtige Position für die gute Sache nutzen. Sich klar für die Einhaltung von Grundrechten, Demokratie und Menschlichkeit einsetzen. Doch Gier und Bestechlichkeit habe ihre Position in die falsche Richtung getrieben. Um die Glaubwürdigkeit bei den Fans zurückzugewinnen muss die FIFA als gemeinnütziger Verband dringend reformiert und demokratisiert werden. Ein erster, kleiner Schritt in die richtige Richtung wurde mit dem Einsatz eines Menschenrechtsausschusses, dem Expertinnen und Experten der Vereinten Nationen angehören, bereits gesetzt. Eines ist jedoch klar: Die Qualifizierung einer WM-Austragung muss künftig zwingend an die Einhaltung demokratischer und menschenrechtlicher Grundrechte geknüpft sein.

Hannes Heide ist sozialdemokratischer Abgeordneter im Europäischen Parlament. Als großer Fußballfan setzt er sich auf europäischer und regionaler Ebene für Fairplay in allen Bereichen des Sports ein.


24.11.2022, 10:42 Uhr

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