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Nachgefragt bei ... Michaela Kotaskova (28)

Nachgefragt bei ... Michaela Kotaskova (28)

Die ASKÖ hat sich bei Sportlerinnen und Sportlern erkundigt, wie es ihnen in der Coronakrise ergangen ist.

Die größten Erfolge der Boxerin (Boxclub Bounce) sind:

  • dreifacher österreichischer Staatsmeistertitel im olympischen Boxen im Mittelgewicht (2017, 2018 & 2019)
  • als erste Frau bei der Bounce Fight Night gekämpft und gegen die spanische Kontrahentin gewonnen

1. Was hat für Dich persönlich der Corona-Shutdown im März 2020 bedeutet und was hat er für deine Sportart bedeutet?

Für mich war es eine sehr beängstigende Situation, vor allem weil alles so schnell gegangen ist und ich mich auf solche Einschränkungen gar nicht einstellen konnte. Am 13.3. vormittags war ich noch in unserer Halle trainieren, am Nachmittag hat es geheißen, man soll das Haus nur im Notfall verlassen.
Ich bin selbständige Boxtrainerin und ohne die Trainerstunden ist mein Gehalt gleich null. Ich musste also sofort auf den Überlebensmodus umsteigen, da keiner wusste, wie lange diese Krise dauert. Sport wurde von den ganzen Maßnahmen meiner Meinung nach fast am schlimmsten getroffen (zumindest aus wirtschaftlicher Sicht) und Kampfsport hat wettkampftechnisch die schlechtesten Aussichten – immer noch.
Boxen ohne Kontakt ist langfristig undenkbar, ich habe seit beinahe drei Monaten kein Training mit Körperkontakt absolviert – erstens geht es mir sehr ab und zweitens wird es später sehr schwierig, in die alte Form zurückzufinden. Es gibt Nationen, die schon längst wieder Sparrings machen oder fast gar nicht von Corona-Maßnahmen betroffen wurden. Ich befürchte, deren Vorsprung kann entscheidende Unterschiede im Wettkampf ausmachen.

2. Wie hat sich Dein Trainingsalltag verändert, bist du mit TrainerInnen, TrainingspartnerInnen oder TeamkollegInnen in Kontakt geblieben?

Es war eine harte Probe was die Disziplin betrifft und ich muss sagen, es hat Gottseidank sehr gut funktioniert und ich habe genauso wie vor Corona zweimal am Tag fleißig trainiert. Sportartspezifisch haben meine Trainer das Training mehr auf die allgemeine Vorbereitung (Laufen, Krafttraining) umgestellt, da ich alles selbständig absolvieren musste. Mit der Zeit war aber auch wieder mehr Boxtraining (Schattenboxen, Sandsacktraining) dabei. Alle Kadersportler waren die ganze Zeit mit dem Trainerteam im Kontakt (regelmäßige Videocalls und ausführliche Videoanalysen von Trainingseinheiten), das hat natürlich auch sehr viel geholfen, um dran zu bleiben. Die Trainer waren während der Zeit wirklich Spitze und haben sich sehr bemüht, daraus das Beste zu machen. Mit Teamkollegen war ich natürlich ebenfalls in Kontakt.

3. Was bedeutet es für Dich, dass es derzeit keine Wettkämpfe/Turniere gibt?

Ich bin sehr ehrgeizig und Wettkampf ist für mich Motivation Nr. 1. Ich trainiere, um zu kämpfen und um zu gewinnen. Im schlimmsten Fall gibt es aber noch monatelang keine Wettkämpfe für uns Kampfsportler, wer weiß ob es heuer noch was wird. Im Ausland wird aber bald wieder gekämpft und das gibt mir die Hoffnung, dass es vielleicht auch in Österreich doch nicht so lange dauern wird, wie die Prognosen angedeutet haben (kein Kontaktsport, bis es einen Impfstoff gibt). Langsam werde ich wieder etwas optimistischer.

4. Ist es schwer sich dennoch für die Trainings zu motivieren?

Ich gehe nach wie vor gerne und ohne Ausreden zu jedem Training. Es ist für mich aber schwer, beim Training über die Komfortzone zu gehen – vor allem wenn selbständig trainiert wird, da wir immer noch teilweise daheim trainieren. Hier merke ich, dass ich nicht an die Grenzen gehen und 100% geben kann, weil ich kein konkretes Ziel vor Augen habe. Bei den geleiteten Trainings holen die Trainer aber alles aus mir raus.

5. Haben sich durch die Corona-Zeit Deine Zielsetzungen verändert?

Nein die haben sich gar nicht verändert, nur verschoben. Ich würde grundsätzlich gerne mehr international Boxen, mich mit den besten Boxerinnen messen und darauf trainiere ich nach wie vor hin.

6. Glaubst du, es wird sich durch die Corona-Zeit etwas für deine Sportart verändern?

Ich glaube nicht, dass es zu rasanten Änderungen führen wird. Und wenn ja, dann nur vorübergehend (wie etwa Corona-Tests vor Wettkämpfen oder ähnliches). Was aber doch gefährlich für die Zukunft des Boxsports sein kann, ist, dass junge Talente verloren gehen. Junge Sportler sind hungrig nach Kämpfen, für die ist Trainieren ohne Ziel eine viel größere Überwindung als für mich. Ich befürchte, manche Kinder und Jugendliche verlieren die Motivation und hören auf oder wechseln zu einer anderen Sportart, die bessere Aussichten als der Kampfsport hat.

7. Was sind deine sportlichen und persönlichen Ziele für die nächste Zukunft?

Mein nächstes Ziel ist es, mehr internationale Erfahrungen zu sammeln und zumindest europaweit Erfolge zu haben, und natürlich den Staatsmeistertitel zu verteidigen. Und persönlich liegt mir sehr am Herzen, dass ich als Boxerin und Boxtrainerin viele Menschen, vor allem Frauen und Jugendliche für Boxen begeistere, denn diese Sportart hat so viel Positives für alle zu bieten.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine Zukunft!

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