Europäischen Sport vor dem Ausverkauf schützen

Europäischen Sport vor dem Ausverkauf schützen

Gastbeitrag von Europaabgeordneten Hannes Heide 

Der Sport steht in Europa an einem Scheideweg: Zunehmend wird das europäische Sportmodell welches auf Solidarität, Fairness und Freiwilligenengagement aufgebaut ist, durch wirtschaftliche Einflüsse ausgehöhlt. Deshalb will das Europäische Parlament nun das Vereinswesen stärken, Sportstätten fördern und mehr Solidarität zwischen Profi- und Amateursport einfordern.

Das europäische Sportmodell basiert auf einem pyramidenartigen Aufbau von örtlichen Vereinen bis hin zu den internationalen Verbänden, sowie auf fairem Wettbewerb und Solidarität zwischen Profi- und Amateursport. Dieses weltweit einzigartige System gerät jedoch immer mehr unter Druck. Einerseits sinkt die Zahl der Freiwilligen, die lokale Vereine am Leben halten, andererseits wächst die Gefahr durch Investitionen aus autoritären Drittstaaten, die zur Abwanderung von vielen Sportevents und Großereignisse aus Europa beitragen. Wenn etwa Spiele großer Ligen, wie der spanischen "La Liga", nach Saudi-Arabien verlegt werden, ist das nicht nur ein Angriff auf die europäische Fankultur, sondern öffnet wirtschaftlicher und politischer Einflussnahme Tür und Tor. Dass die UEFA ausgerechnet am Tag vor der Abstimmung über den Sportbericht im Europäischen Parlament diesen Verlegungen künftig einen Riegel vorschiebt, lässt erkennen: Unser Druck zeigt schon Wirkung. Unser sportliches Ökosystem darf nicht einem rein kommerziellen Modell weichen, wie es in den USA vorherrscht. Natürlich soll Sport auch global wachsen, aber nicht auf Kosten jener, die ihn auf lokaler Ebene lebendig halten. Der Zugang zu Sportevents muss den Fans in Europa erhalten bleiben.

Regionalförderung für Sportanlagen öffnen

Das Europäische Parlament hat mit der Annahme des Initiativberichts zur Stärkung des europäischen Sportmodells, bei dem ich als Schattenberichterstatter mitgearbeitet habe, ein starkes Signal gegen den Ausverkauf des Sports gesetzt. Auf Basis des Berichts wird EU-Sportkommissar Glenn Micallef, der selbst lange Fußballer und Vereinsfunktionär in Malta war, nächstes Jahr die neue EU Strategie für die Zukunft des Europäischen Sportmodells vorlegen. Für mich sind die Vereinskultur und die Sportveranstaltungen ein Bindeglied unserer Gesellschaft, die Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status zusammenbringt. Doch dieses gesellschaftliche Kapital braucht mehr finanzielle Unterstützung. Das beste Sportmodell nützt nichts, wenn wegen leerer Gemeindekassen Schwimmbäder, Sportplätze und Turnhallen schließen müssen. Daher müssen bestehende Förderprogramme zur Regionalentwicklung dringend für die Errichtung und Erhaltung von Sportinfrastruktur geöffnet werden.

Erfolgsprojekt Erasmus+ für Sportpersonal

Ein Erfolgsfaktor für die Sportvereine ist bereits das Programm Erasmus+. Seit 2014 fördert es auch den Sport und seit zwei Jahren zusätzlich die Lernmobilität von haupt- und ehrenamtlichen Personal im Breitensport. Europaweit wurde damit bisher Trainerinnen und Trainern aus 1.070 Organisationen Auslandsaufenthalte zur Weiterbildung ermöglicht, darunter 36 Vereine aus Österreich. Umgesetzt wurden beispielsweise Ausbildungsreisen für Tanztrainer in Slowenien und Tschechien, ein Bildungsaustausch des Vereins "Fußball mit Flüchtlingen" aus Wien zum Thema Inklusion in Spanien, Kooperationen zur Geschlechterausgewogenheit im Klettersport zwischen der Steiermark und München oder die Vernetzung von Sportpersonal im Behindertensportverband Tirol. Nach diesem großen Erfolg setze ich mich in den Verhandlungen für die nächste Förderperiode dafür ein, Erasmus+ auch für Athletinnen und Athleten zu öffnen.

Transparenz in Finanzierung und Vereinsstruktur

Um das europäische Sportmodell langfristig abzusichern, braucht es auch klare Umverteilungsmechanismen zwischen Profisport und Vereinsbasis. Ein Teil der Profite des Spitzensports muss zurück in die Strukturen fließen, die seine Grundlage bilden. Gleichzeitig sollten die Sportverbände dort, wo politische Entscheidungen nicht eingreifen, höchste Standards bei Transparenz und internen Strukturen einhalten. Nur wenn Fairness, Offenheit und Solidarität auch in der Organisation des Sports gelebt werden, bleibt das europäische Modell ein weltweites Vorbild und der Sport das, was er sein sollte: ein verbindendes Element unserer Gesellschaft.

Europaabgeordneter Hannes Heide ist Mitglied im Ausschuss für Sport, Kultur & Bildung.


07.11.2025, 10:53 Uhr

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