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Nachgefragt bei ... Katrin Neudolt (31)

© PLOHE

Die ASKÖ hat sich bei Sportlerinnen und Sportlern erkundigt, wie es ihnen in der Coronakrise ergangen ist.

Zu den größten Erfolgen der Badminton-Spielerin (Badminton Mödling und Wiener Gehörlosen Sportclub 1901 & Kulturverein) zählen:

  • Vizeweltmeistertitel 2019 und 2015
  • Europameisterin bei den Gehörlosen 2018
  • Staatsmeisterin bei den Hörenden 2016 und 2020

1. Was hat für Dich persönlich der Corona-Shutdown im März 2020 bedeutet und was hat er für deine Sportart bedeutet?

Ich befand mich gerade intensiv in der Vorbereitung für die Deaflympics 2021 im Dezember und war schon relativ ausgebrannt von den Wettkämpfen davor. Somit war es für mich eine ganz gute Wettkampfpause, in der ich viele Basissachen trainieren konnte.
Für mich hatte der Shutdown keine große Auswirkung, aber für andere Badmintonspieler, weil gerade die Endphase der Qualifikation für Tokio lief. In dieser Zeit war es für mich sehr wichtig, dass mir meine Sponsoren erhalten bleiben und mich weiter unterstützen. Ich bin sehr dankbar, dass ich beim Bundesheer angestellt bin und mein Gehalt weiter beziehe und sozial abgesichert bin.

2. Wie hat sich Dein Trainingsalltag verändert, bist du mit TrainerInnen, TrainingspartnerInnen oder TeamkollegInnen in Kontakt geblieben?

Die erste große Veränderung war, dass ich 6-8 Wochen kein Hallentraining hatte, da alles nach draußen verlegt wurde. Mein Training hat sich mehr auf Grundlagenausdauer und Laufen sowie Krafttraining fixiert. Ich habe in dieser Zeit auch intensiv mentales Training (Visualisieren) mit meinem Mentalcoach Johann Weitlaner durchgeführt. Die Schwierigkeit war für mich, Videokonferenzen durchzuführen, weil ich als Gehörlose die Sprache nicht so gut verstehen kann. Aus diesem Grund haben wir viel über Email kommuniziert, auch mit Videoanalysen. Unter strengen Auflagen durfte ich schon Ende April, Anfang Mai wieder in die Halle, so wie das Nationalteam. Das hat geholfen und war eine echte Erleichterung, auch der Spaß war sofort wieder da. Mit meinen TeamkollegInnen bin ich über SMS oder Whatsapp in Kontakt geblieben.

3. Was bedeutet es für Dich, wenn keine Wettkämpfe/Turniere stattfinden?

Diese sind ganz wichtig für mich, um im Wettkampf-Rhythmus zu bleiben und meine mentalen Gewohnheiten und mentalen Techniken anzuwenden. Ich hoffe, dass es im Herbst wieder Wettkämpfe gibt, aber falls nicht werde ich das auch so hinnehmen. Ich kann damit gut umgehen und habe auch viele Trainingspartner, auf die ich zurückgreifen kann. Es hat auch etwas Gutes, nicht so viel herumfahren zu müssen, das spart Energie und Geld.

4. Ist es schwer, sich dennoch für die Trainings zu motivieren?

Nein, generell nicht, da ich sehr, sehr gerne trainiere. Ich habe das Privileg, dass ich seit 2017 Vollzeitsportlerin sein darf und die größte Motivation ist, dass ich meinen Sport als Beruf ausüben kann.

5. Haben sich durch die Corona-Zeit Deine Zielsetzungen verändert?

Grundsätzlich nein, es hat sich nur die Planung geändert. Mein Ziel sind die Deaflympics 2021.

6. Glaubst du, es wird sich durch die Corona-Zeit etwas für deine Sportart verändern?

Ich denke, man hat die Chance verpasst, mit Nachbarländern zusammen zu arbeiten und kleine Turniere durchzuführen – so wie im Tennis. Vielleicht hat es ja aber auch etwas Gutes, wenn man mehr an der Basis trainiert und danach stärker aus dieser Phase heraus kommt. Ich persönlich habe in der Zeit gemerkt, welch gute Infrastruktur wir in Österreich haben und dass man diese noch besser nutzen könnte. Meiner Ansicht nach könnte man mehr mit anderen Sportarten kooperieren und trainieren und voneinander profitieren.

7. Was sind deine sportlichen und persönlichen Ziele für die nächste Zukunft?

Mein größtes Ziel ist es, bei den Deaflympics 2021 eine Medaille zu holen, dem wird alles untergeordnet. Danach möchte ich nochmal 4 Jahre für die nächsten Deaflympics weitertrainieren. Ich hoffe, dass ein neuer Vertrag mit dem Bundesheer zustande kommt. Sportlich möchte ich mich im mentalen als auch spielerischen und taktischen Bereich weiter verbessern.
Neben dem Sport ist mir Weiterbildung sehr wichtig. Daher werde ich eine oder zwei Sprachen lernen, damit ich auch geistig fit bleibe. Zusätzlich will ich mich im Bereich Marketing weiterbilden.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine Zukunft!

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