ASKÖ: Offener Brief zur Situation der Sportvereine

ASKÖ: Offener Brief zur Situation der Sportvereine

ASKÖ-Präsident Hermann Krist äußert sich in einem offenen Brief zur aktuellen Situation der österreichischen Sportverbände und Sportvereine:

Koste es, was es wolle?!

Erinnern wir uns noch an die ersten Reaktionen dieser Bundesregierung am Beginn der Corona Krise. Es wurde Verständnis gezeigt, schnelle Hilfe und ein Rettungsschirm angekündigt, auch für Sportvereine. Keiner solle zurückgelassen werden, koste es, was es wolle. Jedoch: bis heute warten die Sportverbände und ihre 15.000 Vereine vergeblich. Aber nicht nur der Sport, viele Institutionen sind zu Bittstellern geworden, oder ärgern sich über komplizierte Beantragungen, wechselnde Informationen und äußerst zögerliche Auszahlungen. Dazu kommen die in 14-Tage-Schritten mit gebetsmühlenartigen Predigten angekündigten Verordnungen aus den Ministerien die zum Teil ordentliche Verwirrung stiften.

Klarheit null! Hilfe null! Sicherheit null!

Man mag verstehen, dass diese Corona-Krise völlig Unerwartetes gebracht hat und dass es für die politischen Entscheidungsträger alles andere als einfach ist, unter Zeitdruck immer richtig zu handeln. Aber: das ging nur, weil die Menschen, Wirtschaft und Organisationen in Österreich sofort und solidarisch mitgezogen haben, auch große Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte angesichts der Vorgaben und Warnungen über sich ergehen ließen. Die Bevölkerung hat erheblich dazu beigetragen, dass die Lage in Österreich sich so gut entwickeln konnte. Alles mit dem Glauben, dass keiner zurückgelassen wird, koste es, was es wolle. Jetzt scheinen aber viele übrig zu bleiben, auch die Sportvereine und Sportverbände. Übrig bleiben hier hunderttausende Freiwillige, die mit ihrer Arbeit das Sport-Vereinsleben mit einer Wertschöpfung in Milliardenhöhe am Laufen halten. Aber: wen interessiert´s?

Am Spiel stehen auch der gesellschaftliche Zusammenhalt, die unverzichtbaren Beiträge der Sportvereine für das kommunale Zusammenleben und der verdiente respektvolle Umgang mit den vielen ehrenamtlich Tätigen.

Der organisierte Sport hat unter Führung der Sport Austria alle Anforderungen, Aufforderungen und Unterlagen schnell, professionell und klar verständlich geliefert. Trotz dem praktisch jeder Verordnungs- oder Gesetzesentwurf an einem Tag zugeschickt und für den Nächsten eine Antwort erwartet wurde. Wir haben alles geliefert!

Bei den zuständigen Ministerien war es bis heute genau das Gegenteil. Seit Ende März versuchen wir in unzähligen Gesprächen mit den verantwortlichen Politikern und deren Beamten, die erheblichen Probleme unserer Vereine näher zu bringen. Die Querschnittsmaterie „Bewegung und Sport“ hat Schnittmengen u.a. mit dem Bildungsministerium (Schulsport), mit dem Sozial- und Gesundheitsministerium, mit dem Finanzministerium und natürlich mit dem Sportministerium.

Einzig der Sportminister und seine Leute sind bemüht, aber es scheint, als fehle es an Durchsetzungskraft und auch Mut. Den Sport in einen € 700 Mio. NGO-Unterstützungstopf zu geben, gemeinsam mit den Feuerwehren, Sozialvereinen, kirchlichen Organisationen etc., muss als schweres Foul gewertet werden, wer auch immer das in der Koalition letztlich entschieden hat. Der Sportminister hätte mit der mehr als qualifizierten Bundes-Sport GmbH sauber, präzise und transparent die Hilfsgelder für den organisierten Sport abwickeln können. Offensichtlich ist das nicht gewollt? Bei den Landwirten hat es sofort funktioniert?!

Und: Warum werden angeblich nur Fixkosten übernommen? Was darf als Schadensersatz eingemeldet werden? Was geschieht mit den Einnahmenausfällen von regelmäßigen Vereinsfesten, mit den voraussichtlich stark sinkenden Sponsor-Einnahmen etc.? Diese sind die solide und wichtige Basis für das kommende Vereinsbudget, für die Vorbereitung, den kommenden Meisterschaftsbetrieb, Trainingslager, Instandhaltungsarbeiten und vor allem die Jugendarbeit. Wo bleiben hier Verständnis und die so notwendige rasche Hilfe? Die Gemeinden und Städte sind Großteils sehr bemüht und helfen ihren Vereinen. Was ist mit der „koste es was es wolle“-Bundesregierung?

Ich bin echt enttäuscht. Es fehlt an ehrlicher Wertschätzung, es fehlt an respektvollem Umgang und am Bekenntnis für die Wichtigkeit von Bewegung und Sport in unserer Gesellschaft. Wir werden zu Bittstellern gemacht, dabei sind Verbände und Vereine volkswirtschaftliche Leistungsbringer und helfen zudem dem Staat, Kosten einzusparen!

Was uns bleibt, ist als großer Sportverband dennoch gemeinsam mit unseren Partnern aus den Sportfach- und Dachverbänden für unsere Vereine, für jeden Einzelnen, weiter zu kämpfen. Denn das kann es nicht gewesen sein.

Hermann Krist,
ASKÖ Präsident

 

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