Nachgefragt bei ... Tina Unterberger (34)

Nachgefragt bei ... Tina Unterberger (34)

Die ASKÖ hat sich bei Sportlerinnen und Sportlern erkundigt, wie es ihnen in der Coronakrise ergangen ist.

Zu den größten Erfolgen der  Naturbahnrodlerin (ASKÖ Bad Gmunden) zählen:

  • Weltmeister- und Europameistertitel im Teambewerb
  • fünf Bronzemedaillen bei WM und EM im Einsitzerbewerb
  • der erste Weltcupsieg in Kühtai/T

1. Was hat für Dich persönlich der Corona-Shutdown im März 2020 bedeutet und was hat er für deine Sportart bedeutet?

Wir waren gerade am Weg zur Europameisterschaft nach Moskau, als bereits erste Gerüchte (oder damals noch eher Schauergeschichten) über (Körper-)Temperaturkontrollen an der Grenze und möglicher russischer Quarantäne aufgekommen sind. Als wir uns dann wieder am Weg nach Hause befanden, war die Situation für unsere italienischen Kollegen schon sehr angespannt, da bereits erste Regionen abgeriegelt wurden und für sie nicht klar war, ob sie überhaupt noch nach Hause kommen würden. Kurze Zeit später wurden dann auch bei uns die noch geplanten nationalen Rennen und Testwochenenden (als Vorbereitung für die kommende Saison) aus Sicherheitsgründen abgesagt. Zum "Glück" war die EM der letzte große Bewerb dieser Saison und der Weltcup war bereits unter Dach und Fach, somit hat uns der Shutdown nicht ganz so hart getroffen wie vielleicht unsere Kollegen und Kolleginnen aus den Sommersportarten. Natürlich fehlen die Materialtests für die kommende Saison, aber das ist wirklich Jammern auf sehr hohem Niveau und in Anbetracht des ganzen Ausmaßes, absolut das geringste Problem.

2. Wie hat sich Dein Trainingsalltag verändert, bist du mit TrainerInnen, TrainingspartnerInnen oder TeamkollegInnen in Kontakt geblieben?

Gerade während des Lockdowns war ich unendlich froh, dass ich schon vor einigen Jahren in unserem Keller eine kleine Kraftkammer mit dem allernötigsten eingerichtet habe. Hier haben wir u.A. gemeinsame Trainingseinheiten mit Kolleginnen aus Chile und Amerika via Zoom veranstaltet, damit man nicht immer „alleine“ trainieren musste. Ausdauereinheiten habe ich in der Zeit dann auf die Walze (Rad) ins Wohnzimmer verlegt oder war noch im dunklen, fast heimlich quasi, Laufen um niemanden zu stören. Die fix eingeplanten Trainingseinheiten haben somit meinem Alltag Struktur gegeben und waren ein wichtiger Ausgleich zum Homeoffice in dieser Zeit.

3. Was bedeutet es für Dich, wenn keine Wettkämpfe/Turniere stattfinden?

Bei uns sind jetzt aktuell die Sommerrennen (Rollenrodeln) gekürzt respektive auf die kommende Sommersaison verschoben worden. Dies betrifft mich persönlich nicht ganz so sehr, da ich aus beruflichen Gründen meist nur mehr an einem Rennen auf Rollen teilnehme. Das ist toll um das Wettkampfgefühl über die Sommerpause wieder mal aufzufrischen und sich mit Kollegen zu treffen. Für unseren Nachwuchs ist das natürlich bitter, da das Rollenrodeln eine sensationelle Möglichkeit darstellt, um in den Naturbahnsport hinein zu schnuppern und erste Rennerfahrungen zu machen. Aber auch hier hat der ÖRV eine Möglichkeit gefunden zumindest zwei Doppelveranstaltungen an zwei Orten zu organisieren - natürlich unter Einhaltung aller Auflagen um ja kein Risiko einzugehen.
Für die Wintersaison, bin ich noch gespannt wie sich die Situation dann tatsächlich entwickelt. Ob alle Weltcuprennen geplant durchgeführt werden können, gerade Russland und Rumänien, wirft noch einige Fragezeichen auf. Grundsätzlich bin ich ja alleine auf meiner Rodel unterwegs, aber ich denke, dass auch bei uns heuer keine Zuseher vor Ort sein werden können. Sollten Bewerbe aber COVID-19 bedingt abgesagt werden, dann ist das zu akzeptieren.

4. Ist es schwer, sich dennoch für die Trainings zu motivieren?

Ich hab's wirklich sehr genossen, als wieder sämtliche Sportanlagen geöffnet worden sind. Da merkt man erst, welche Vielfalt an sportlichen Möglichkeiten bei uns zur Verfügung stehen. Und gerade jetzt, wo das Wetter so schön ist, fällt es mir ehrlicherweise schon etwas schwerer (nach der ganzen Zeit des "Eingesperrt seins") in die Kraftkammer zu gehen, anstatt eine Berg- oder Radtour zu machen. Aber das gehört einfach dazu und zum Glück kann man ja gewisse Trainingseinheiten auch "outdoor" bewerkstelligen.

5. Haben sich durch die Corona-Zeit Deine Zielsetzungen verändert?

Nicht verändert, eher bestärkt!

6. Glaubst du, es wird sich durch die Corona-Zeit etwas für deine Sportart verändern?

Bestimmt, nur in welcher Art und Weise dann tatsächlich - wird uns wahrscheinlich nur die Zeit sagen können.

7. Was sind deine sportlichen und persönlichen Ziele für die nächste Zukunft?

Saisonhighlight ist heuer bestimmt die Heimweltmeisterschaft in Umhausen/Tirol (Ötztal). Darüber hinaus hat sich der Internationale Rodelverband (FIL) mit der Sparte Naturbahn für die Aufnahme ins olympische Programm beworben (Mailand/Cortina 2026). Je nachdem wie sich dieses "Projekt" entwickelt, wird sich natürlich dann auch meine sportliche sowie persönliche Zielsetzung verändern ;)

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine Zukunft!


zurück